Lothar Malskat (1913-1988)
Lothar Malskat begann eine Malerlehre und besuchte die Kunstakademie in Königsberg. Dort fertigte er neben eigenen Werken auch nachempfundene Arbeiten anderer Künstler an. Nach einer ersten Ausstellung in Königsberg zog er in das urbane Berlin. Auf Empfehlung seiner Königsberger Professoren konnte er eine Beschäftigung bei Professor Ernst Fey, dem bedeutenden Kirchenhistoriker und Restaurator, antreten. Malskat bekam zunächst untergeordnete Aufgaben, studierte aber gleichzeitig die frühe Kirchenmalerei. 1937 wurde Professor Fey mit der Restaurierung der Malereien im Dom zum Schleswig beauftragt. Die frühgotischen Malerein waren dort durch August Olbers 1888 übermalt wurden. Nach der Entfernung der Übermalungen fanden sich kaum Spuren der ursprünglichen Malerei. Um einer Bestrafung wegen der Zerstörung nationalen Kulturgutes zu entgehen, begann Lothar Malskat mit der Erschaffung der frühgotischen Kunst durch eigenes Nachempfinden. Den Begutachtern nach Abschluß der Arbeiten im Schleswiger Dom viel zwar relativ rasch ein abgebildeter Truthan auf, der ursprünglich aus Amerika kam, aber nach nationalsozialistischer Doktrin war das der Beweis für die frühen Entdeckungsfahrten der Wikinger.
Nach dem Kriegsdienst nahm er zu Dietrich Fey, dem Sohn des Professors Fey, Kontakt auf und begann für diesen Kunstwerke unterschiedlicher Künstler zu fälschen. Malskat fälschte Kokoschka, Barlach, Chagall, Picasso, Liebermann, Rembrandt, Utrillo, Rousseau und viele andere. Insgesamt ca. 600 Arbeiten. Große Berühmtheit erhielt er im Zusammenhang mit der Restaurierung der Marienkirche zu Lübeck 1948. Die angeblich durch ihn und Dietrich Fey entdeckten gotischen Fresken in der Obergadenzone des Chores wurden von namenhaften Spezialisten als Spitzenleistungen der mittelalterlichen Malerei gefeiert. Nach einer ersten Kritik durch Kunstwissenschaftler zeigte sich Malskat selber an und wurde 1955 für diesen und weitere ähnliche Fälle zu einer Strafe wegen Betrugs verurteilt.
Später war Lothar Malskat als Maler tätig und signierte seine eigenen Werke. Er malte in den 50iger Jahren vor allem in Dänemark. 1966 wurde unter der Regie von Günter Meincke der Fall Malskat für das ZDF aufgegriffen und Hans Lothar übernahm die Rolle des Lothar Malskat. Heute werden seine späteren eigenen Werke auf dem Kunstmarkt gehandelt. Seine Fälschungen sind in der gerichtshistorischen Sammlung des Landgerichtes Flensburg zu besichtigen.
In die Literatur ist Malskat durch den Roman von Günter Grass "Die Rättin" eingegangen.
Lothar Malskat über sich:
"Den genialen Künstlern der Stauferzeit fühle ich mich durch mein früheres Schaffen – meine gotischen Wandmalereien in der Lübecker Marienkirche und in anderen Sakralbauten – wahlverwandt. Die Koryphäen der Kulturgeschichte feierten mich als einen von ihnen und ließen mich Anno Domini 1321 dahinscheiden, bevor man mich als „größten Fälscher aller Zeiten“ entlarvte. Für die Künstler jener Zeit wäre die Berufung auf ihre kreative Leistung eine des Scheiterhaufens würdige Todsünde gewesen, da das Attribut „schöpferisch“ noch bis weit ins 18. Jahrhundert hinein allein dem Allmächtigen zustand. Sie hätten es ganz legitim gefunden, dass ich einst, der Not der Nachkriegszeit gehorchend, in ihrem Stil in Gottes Namen die Kirchenschiffe zum Frommen der Gläubigen schmückte und um meiner darbenden Familie willen auch „echte“ Rembrandts, Utrillos und Picassos hervorbrachte. Der durch die internationale Presse gegangene Malskat-Skandal ist abgeklungen, und wenn in dem berühmten SPIEGEL-Gespräch mit Heidegger mein Name einen Disput über Wesen und Aufgabe der Gegenwartskunst auslöste, so sehe ich darin ein Symptom für eine zukunftsweisende adäquate Würdigung. Es ist eine Gnade, dass ich nun, dem Kampf ums schiere Dasein enthoben, die Ernte meiner Erfahrungen mit Natur und Kunst in meinem Spätwerk einbringen darf.
Mit besten Grüßen Ihr Lothar Malskat"
"Sommerlandschaft an der Ostsee", um 1948